WAS WIR ALLES NICHT SAGEN
Hallo Reader,
in den vergangenen fünf Wochen habe ich oft über Dinge geschrieben, die wir nicht tun.
Wir gehen nicht durch eine Tür, die sich nicht öffnen will.
Wir freuen uns nicht zu früh.
Wir schicken die Nachricht lieber nicht.
Wir fragen lieber nicht: Hast du Lust?
Und wenn uns jemand fehlt, sagen wir stattdessen: Du hast ja sowieso keine Zeit.
Eigentlich ziemlich vernünftig.
Nur frage ich mich inzwischen, ob Vernunft manchmal eine erstaunlich elegante Verkleidung für Angst ist.
Angst, sich zu freuen und wieder enttäuscht zu werden.
Angst, jemandem zu viel zu sein.
Angst vor einem Nein.
Oder vor einem Ja, das plötzlich etwas bedeuten könnte.
Vielleicht waren die letzten fünf Sonntage deshalb weniger verschieden, als ich beim Schreiben dachte.
Sie handelten alle ein bisschen davon, wann Selbstschutz aufhört, uns zu schützen — und anfängt, uns vom Leben fernzuhalten.
Und weil ich offenbar noch immer keine endgültige Antwort darauf habe, sind daraus fünf Kolumnen geworden.

HAST DU LUST?
Drei Wörter, die fast alles können:
Hast du Lust?
Kein Festhalten. Kein Anspruch. Keine Grundsatzdiskussion über Nähe und Freiheit.
Nur eine offene Tür.
Und vielleicht die Erinnerung daran, dass jemandem Freiheit zu lassen nicht bedeuten muss, vorsichtshalber gar nichts mehr zu wollen.
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DIE NACHRICHT, DIE SIE NIE SCHICKT
Über Freundschaften, die nicht im Streit enden – sondern langsam verstummen, weil irgendwann beide darauf warten, dass die andere sich meldet.
Hey, ich habe an dich gedacht.
Eigentlich nicht besonders gefährlich. Und trotzdem kann man erstaunlich lange auf ein Handy schauen, bevor man sie abschickt.
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DAS GUTE NICHT KLEINREDEN |
„Das ist ja großartig.“
„Ja. Aber mal sehen.“
Warum eigentlich? Warum darf ein schlechter Tag riesig sein – während wir einen guten vorsichtshalber kleinreden?

NICHT HIER
Eine geschlossene Tür sieht manchmal aus wie eine Niederlage. Dabei kennen wir nur das Nein. Nicht das Leben, das danach kommt.
Über Zurückweisung, erfundene Zukünfte und die Frage, ob uns manches Nein vielleicht gar nichts wegnimmt.
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AM BESTEN HEUTE
Melde dich einfach, wenn du irgendwann mal Zeit hast.
Klingt beneidenswert entspannt. Dumm nur, wenn man eigentlich sagen wollte: Ich würde dich gern sehen.
Über die merkwürdige Kunst, Nähe zu wollen und gleichzeitig alles dafür zu tun, nicht dabei ertappt zu werden.
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Vielleicht liegt zwischen uns und manchen schönen Dingen gar nicht so viel.
Manchmal nur ein Aber.
Eine Nachricht, die wir nicht schicken.
Eine Frage, die wir nicht stellen.
Oder drei Wörter, die plötzlich erstaunlich mutig wirken.
Was würdest du heute sagen oder tun, wenn du für einen Moment keine Angst hättest, zu viel zu wollen?
Du kannst mir darauf direkt antworten. Ich lese jede Nachricht.
Am Sonntag geht es weiter – und im nächsten Monat schreibe ich dir wieder.
Gerade beschäftigt mich eine Frage, die ich noch nicht ganz zu fassen kriege: Warum lassen wir ausgerechnet die Menschen, die uns wichtig sind, oft am wenigsten spüren, wie wichtig sie uns sind? Vielleicht wird eine Kolumne daraus. Vielleicht auch mehr.
Bis dahin,
Deine
Charlotta